Corona-Virus: Soziale Kontakte reduzieren. Und jetzt? – Teil 1

Gerade für Menschen die „allein sein“ nicht gewohnt sind, kann die Reduzierung von sozialen Kontakten Probleme bereiten und Sie fragen sich vielleicht auch:  Auf was muss ich mich gefasst machen? Welche Gefühle könnten aufkommen, sollten mir aber vielleicht keine Angst machen?

Lassen Sie uns vorneweg die Begriffe „Allein“ und „Einsam“ definieren: Alleine sein ist ein Zustand. Einsamkeit ist kein Zustand, sondern eine Emotion. Ich bin alleine, aber ich fühle mich einsam.

Was dabei auch noch eine Rolle spielt, ist der Unterschied, ob ich es gewohnt bin alleine zu sein oder der Zustand neu für mich ist. Menschen die sonst auch allein sind, tun sich grundsätzlich leichter. Menschen die sonst Terminstress und viel mit Menschen zu tun haben, fällt es zu Beginn leichter. Manche sind sogar froh, aber dann kommt das Loch.

Ganz entscheidend sind dabei unsere Gedanken. Es ist wie so oft Kopfsache. Negativ wirken Gedanken wie: „Ich muss zuhause bleiben, ich darf nicht raus.“ Denn: Verbotenes lockt stärker als Erlaubtes!

Auch die Begriffe Ausgangssperre und Kontaktverbot lösen Negatives aus – doch das stimmt so nicht! Wir dürfen zum Einkaufen, zur Ärztin und uns draußen bewegen. Passender wären Formulierungen wie Schutz-Verordnung, Vorsorge-Einschränkung, Rahmenbedingungen…

Statt Verbotsgedanken sind für uns Einstellungen und Gedanken viel besser wie: Ich mache das, weil…

  • ich gesund bleiben will
  • ich andere schütze
  • ich Verantwortung übernehme
  • ich ein Teil des Großen Ganzen bin
  • ich wichtig bin

Meine Empfehlung: 

Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie können statt auf das, was was Sie nicht können!

Sehen Sie die Zeit als Luxus anstatt als Strafe – wann haben Sie das sonst?

Wie oft kommt die Aussage: „Wenn ich erst mal Zeit habe…“ oder „Dafür habe ich jetzt keine Zeit.“

Wir begegnen uns durch die Einschränkungen gerade selbst. Das kann Angst machen, weil wir das nicht gewohnt sind und normalerweise Ablenkungen ohne Ende haben.

Deswegen sind 2 Dinge besonders wichtig:

1. Zum einen fehlt die Sinnhaftigkeit, z.B. durch den Beruf – also müssen wir Sinn schaffen!

2. Zum anderen fehlt die Routine, also müssen wir diese erreichen!

Was Sie konkret tun können und auch sollten:

Stehen Sie zu festen Zeiten auf und ziehen Sie sich „Tageskleidung“ an.

„Kleider machen Leute“. Das stimmt und bestimmte Kleidung vermittelt ein bestimmtes Gefühl.

Erstellen Sie sich einen Plan mit Highlights. Dazu gehört endlich das, was Sie schon immer machen wollten:

  • Ein Buch lesen, Schränke räumen, entrümpeln
  • Basteln, Dinge reparieren
  • Einen neuen Sport ausprobieren wie Yoga, Tai Chi. Das können Sie vor dem Fernseher mit einer DVD oder vor dem PC.
  • Eine Sprache lernen

Aber genauso planen sollten Sie:

  • Körperlich aktiv bleiben oder werden. Das ist gut gegen aufkommende Aggression.
  • Tanzen Sie, egal ob mit Trommelmusik oder zu Walzerklängen 
  • Singen Sie. Wer singt, kann sich nicht auf seine Ängste konzentrieren.

Planen Sie alles sogar schriftlich, dann können Sie es abhaken. Das schafft Erfolgserlebnisse!

Lassen sich Zeit bei allem und machen es bewusst, lassen Sie Multitasking sein.

In Ihrem Tagesplan gehören auch Zeiten für Informationen zur aktuellen Situation und Entwicklung, aber dosiert und bei vertrauenswürdigen Quellen. Zum Plan gehören aber auch Entspannen und Ablenkung.

Der Wechsel ist wichtig!

Was jetzt auch sehr empfehlenswert ist: Schreiben Sie unzensiert Tagebuch. Formulieren Sie Ihre Gedanken ehrlich und offen. Hinterfragen Sie Ihre Ängste: Stimmt das was ich denke, ist das realistisch, kann ich trotzdem überleben?

Scheuen Sie sich nicht, Ihre Ängste mit andern zu kommunizieren und auszutauschen. Sie sind nicht allein!

Wenn trotzdem das Gefühl der Einsamkeit bei Ihnen entsteht:

  • Werden Sie selbst aktiv und rufen jemand an oder schreiben Sie
  • Treten Sie mit Nachbarn in Kontakt 
  • Nutzen Sie die Telefonseelsorge oder kontaktieren Sie psychologische Berater. Auch das ist telefonisch möglich.

Wenn es zum Lagerkoller kommt:

  • Thematisieren Sie es und warnen Sie Haushaltsmitglieder rechtzeitig. Sprechen Sie es an, statt ungerecht zu werden.
  • Nutzen Sie die Macht Ihres Körpers: Werden Sie körperlich aktiv oder machen gezielte Atemübungen.

Wenn Sie denken, es kommt zu häuslicher Gewalt:

  • Erkennen Sie die Vorstufen der Aggression
  • Ziehen Sie sich zurück
  • Gehen Sie außer Haus oder getrennte Wege
  • Holen oder rufen Sie sich Hilfe 

Besondere Situationen brauchen besonderes Verhalten.

Gestalten Sie das bewusst und umsichtig!

Viel Erfolg beim Umgang mit sich und mit andern wünscht Ihnen Ihre Sabine Holzhauser

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